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KI-Use-Cases im Unternehmen: So finden und bewerten Sie die richtigen

Von Redaktion We Launch Rockets · · 10 Min. Lesezeit

Abstrakte Illustration: viele KI-Ideen werden in einer Bewertungsmatrix priorisiert und zu einem ausgewählten KI-Use-Case verdichtet

Für mittelständische Unternehmen lohnen sich zuerst KI-Use-Cases mit breitem Einsatz und überschaubarer Anbindung: Sprache erzeugen, Texte erkennen und den Kundenkontakt unterstützen. Im KfW-Mittelstandspanel 2022–2024 nutzen 20 % der Mittelständler mindestens eine KI-Technologie, am häufigsten die Erzeugung natürlicher Sprache (14 %) und die Texterkennung (10 %). Unter den Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die KI einsetzen, dominiert laut Bitkom der Kundenkontakt (88 %) vor Marketing und Kommunikation (57 %). Ein tragfähiger KI-Use-Case löst ein messbares betriebliches Problem, greift auf vorhandene Daten zu und liefert innerhalb weniger Wochen überprüfbare Ergebnisse. Viele Initiativen scheitern, wenn Teams Werkzeuge einführen, ohne den konkreten Prozessengpass zu definieren.

Welche Use Cases zuerst kommen

Die ifo Konjunkturumfrage kommt auf eine andere Grundgesamtheit: 40,9 % der Unternehmen nutzten 2025 KI, nach 27,0 % im Jahr 2024. Das steht in der ifo-Meldung Stimmung unter Selbständigen besser – Klima noch im Minus vom 10. Juni 2025 für die Gesamtwirtschaft und in der Umfrageauswertung Companies in Germany Increasingly Relying on Artificial Intelligence vom 16. Juni 2025 für den Einsatz in Geschäftsprozessen. Bitkom, KfW und ifo befragen unterschiedliche Grundgesamtheiten. Die Richtung ist dieselbe: KI ist angekommen, der praktische Schwerpunkt liegt auf anschlussfähigen Anwendungen.

KfW: KI-Technologien im Mittelstand

Anteile an allen mittelständischen Unternehmen, Zeitraum 2022–2024. Quelle: KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, 29. Juli 2026.

KI-Technologie Anteil
Mindestens eine KI-Technologie 20 %
Erzeugung natürlicher Sprache 14 %
Texterkennung, etwa E-Mail-Vorsortierung oder Rechnungsverarbeitung 10 %
Automatisierung von Arbeitsabläufen oder Entscheidungsunterstützung 5 %
Umwandlung gesprochener Sprache 5 %
Bilderkennung oder Bilderzeugung 5 %
Data Analytics 3 %
Autonome Bewegung von Maschinen 1 %

Auch Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten nutzen die beiden häufigsten Technologien bereits: 13 % die Erzeugung natürlicher Sprache, 9 % die Texterkennung. Anspruchsvolle Spezialtechnik bleibt die Ausnahme.

Bitkom: Wo Unternehmen KI einsetzen

Basis: Unternehmen, die KI einsetzen. Die Befragung umfasst 604 Unternehmen in Deutschland ab 20 Beschäftigten und wurde am 15. September 2025 veröffentlicht. Die Prozentwerte sind keine Anteile am gesamten Mittelstand.

Bereich Anteil der KI-Nutzer
Kundenkontakt 88 %
Marketing und Kommunikation 57 %
Forschung und Entwicklung 21 %
Produktionsabläufe 20 %
Controlling und Rechnungswesen 17 %
Personalabteilung 14 %
Eigene Produkte und Dienstleistungen 12 %
Internes Wissensmanagement 11 %
Management 5 %
Rechts- oder Steuerabteilung 5 %
Vertrieb 5 %
IT-Abteilung 2 %

Orientierung für den ersten Piloten

Die folgende Übersicht ordnet typische Anwendungsfälle nach Nutzen, Machbarkeit und Risiko. Das ist eine redaktionelle Einordnung für die Auswahl, keine Zahl aus den Studien oben. Das Bewertungsraster dazu folgt weiter unten.

Bereich Anwendungsfall Nutzen Machbarkeit Risiko
Kundenservice Automatische Ticket-Klassifizierung und Routing an Fachabteilungen Hoch: Verkürzt Reaktionszeiten messbar Hoch: Textdaten liegen im Ticketsystem vor Gering: Human-in-the-Loop fängt Fehlleitungen ab
Vertrieb Analyse von Transkripten aus Kundengesprächen zur CRM-Pflege Mittel bis hoch: Spart Außendienstlern Dokumentationszeit Hoch: Transkripte lassen sich per API verarbeiten Gering: Mitarbeiter prüft Zusammenfassung vor dem Speichern
HR Vorselektion von Bewerbungen gegen formale Anforderungskriterien Mittel: Reduziert manuelle Sichtung Mittel: Unterschiedliche Lebenslauf-Layouts Hoch: Hohe Anforderungen nach EU AI Act, Diskriminierungsrisiken
Controlling Automatisierter Abgleich von Eingangsrechnungen mit Bestelldaten Hoch: Senkt Prüfaufwände, vermeidet Doppelzahlungen Mittel: Benötigt Zugriff auf ERP- und Buchhaltungssysteme Mittel: Fehlerhafte Zuordnungen erfordern manuelle Freigabe
Produktentwicklung Generierung von Akzeptanzkriterien und Testfällen aus User Stories Mittel: Beschleunigt Entwicklungszyklen Hoch: Entwicklungs-Tickets liegen digital vor Gering: Entwickler und QA prüfen die Vorschläge
Verwaltung Beantwortung von internen Richtlinien-Fragen über eine Vektordatenbank Mittel: Entlastet Fachabteilungen (Recht, Compliance) Mittel bis hoch: Erfordert gepflegte interne Dokumentation Mittel: Falschauskünfte müssen durch Quellenangaben verhindert werden

Konzentrieren Sie sich im ersten Schritt auf Fälle mit hoher Machbarkeit und geringem Risiko. Der Kundenservice und die interne Wissensbereitstellung eignen sich gut für den Einstieg, während automatisierte HR-Entscheidungen aufgrund regulatorischer Auflagen einen deutlich höheren Kontrollaufwand erfordern.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie systematisch vorgehen, Ideen priorisieren und die Auswahl auf wenige Vorhaben mit klarem Nutzen eingrenzen.

Was ist ein KI-Use-Case und was unterscheidet ihn von Tools?

Ein KI-Use-Case beschreibt eine spezifische fachliche Aufgabe, die ein System mithilfe von maschinellem Lernen oder Sprachmodellen schneller, kostengünstiger oder präziser ausführt als bisherige Abläufe. Er verknüpft ein betriebliches Problem mit einem definierten Eingangssignal, einer algorithmischen Verarbeitung und einem messbaren Ausgangsergebnis.

In der Praxis entstehen Missverständnisse durch die Vermischung dreier Begriffe:

Eine Technologie ist die mathematische oder softwaretechnische Grundlage, etwa ein Large Language Model (LLM) oder Computer Vision.

Ein Tool ist eine fertige Softwareanwendung, beispielsweise ChatGPT, Microsoft Copilot oder ein Bildgenerator. Die Anschaffung von Lizenzen ist noch kein Anwendungsfall.

Ein KI-Use-Case ist der konkrete Prozess im Unternehmen. Ein Beispiel: Das automatische Vorfiltern und Zuweisen von eingehenden Support-Mails an die zuständigen Fachgruppen ist ein Use Case. Das zugrunde liegende Werkzeug kann eine API sein, die Basistechnologie ein Sprachmodell.

Erfolgreiche Projekte beginnen bei der Prozessanforderung. Wer nach Einsatzmöglichkeiten für eine neue Modellversion sucht, baut Lösungen für Probleme, die im Betrieb selten Priorität haben.

Wo Sie nach KI-Use-Cases suchen sollten

Gerade bei der Einführung von KI im Mittelstand fehlen oft eigene Forschungsabteilungen. Der Fokus liegt deshalb auf bestehenden Prozessen, die messbare Ressourcen binden. Drei Bereiche bieten verlässliche Ansatzpunkte für KI-Use-Cases.

Wiederkehrende, textlastige Prozesse

Mitarbeiter verbringen Arbeitszeit damit, unstrukturierte Texte zu lesen, zu verstehen und in strukturierte Masken zu übertragen. Diese Abläufe eignen sich für Sprachmodelle, da die Eingangsdaten bereits digital vorliegen:

  • Bearbeitung von Eingangspost, Kundenanfragen und Reklamationen.
  • Prüfen von Verträgen oder Lieferantenvereinbarungen auf Standardklauseln.
  • Zusammenfassen von Protokollen, Ausschreibungsunterlagen oder Fachberichten.

Sobald ein Prozess klare Regeln dafür hat, was mit den extrahierten Informationen geschehen soll, lässt sich der Schritt automatisieren oder teilautomatisieren.

Entscheidungen mit vielen Daten

Mitarbeiter treffen operative Entscheidungen häufig auf Basis unvollständiger Tabellen oder persönlicher Erfahrungswerte. KI-Anwendungsfälle entstehen dort, wo historische Daten Muster enthalten, die Vorhersagen erlauben:

  • Priorisierung von Vertriebs-Leads nach Abschlusswahrscheinlichkeit.
  • Prognosen zum Lagerbedarf basierend auf Saisonzeiten, Wetterdaten und Vorjahreswerten.
  • Erkennung von Kundenabwanderung anhand veränderter Nutzungsmuster digitaler Produkte.

Hier arbeiten klassische Regressions- oder Klassifikationsmodelle oft stabiler und günstiger als generative Sprachmodelle.

Engpässe in Produkt und Kundenerlebnis

Wenn Nutzer in digitalen Produkten abbrechen oder lange auf Rückmeldung warten, entstehen Conversion- und Umsatzverluste:

  • Nutzer finden im Online-Shop oder im Kundenportal bestimmte Informationen erst nach mehreren Klicks.
  • Onboarding-Strecken verlangen manuelle Dokumentenprüfungen, die Tage dauern.
  • Der Kundendienst beantwortet wiederkehrende Standardfragen mit Zeitverzögerung.

Für die Entdeckung dieser Potenziale empfiehlt sich ein strukturierter Pain-Point-Workshop mit den Fachbereichen. Gehen Sie einen konkreten Prozess Schritt für Schritt durch. Dokumentieren Sie jeden Medienbruch, jede Wartezeit und jede manuelle Datenübertragung. Fachabteilungen kennen ihre Zeitfresser genau.

Bewertungsraster: Nutzen, Machbarkeit, Risiko, Time-to-Value

Um gesammelte KI-Use-Cases im Unternehmen objektiv zu vergleichen, bewerten Sie jede Idee anhand von vier Dimensionen auf einer Skala von 1 (sehr ungünstig) bis 5 (hervorragend).

Kriterium Leitfragen Skala (1 bis 5)
Nutzen Spart der Use Case Arbeitszeit, senkt er Kosten oder steigert er direkt Umsatz und Qualität? Ist der Hebel messbar? 1 = Minimaler Effekt, kaum messbar 5 = Hohe Einsparung oder direkter Umsatzbeitrag
Machbarkeit Liegen Daten in ausreichender Qualität vor? Gibt es Schnittstellen (APIs)? Reichen Standardmodelle? 1 = Unvollständige Daten, Altsysteme ohne API 5 = Saubere Daten digital verfügbar, offene Schnittstellen
Risiko & Compliance Verarbeitet das System personenbezogene Daten? Welche Schäden entstehen bei Fehlern? Gilt der EU AI Act? 1 = Hohes Haftungsrisiko, unklare Rechtslage 5 = Keine sensiblen Daten, geringe Fehlerkosten
Time-to-Value Wie schnell steht ein erster Prototyp im Testeinsatz? Braucht das Projekt Wochen oder Quartale? 1 = Monatelange Vorarbeiten nötig 5 = Testversion in 2 bis 4 Wochen machbar

Nutzen

Ein Use Case rechtfertigt seinen Entwicklungsaufwand über eine klare Kennzahl. Definieren Sie vor dem Projektstart, welche Metrik das System beeinflusst:

  • Zeitersparnis pro Vorgang (zum Beispiel Minuten pro Ticket).
  • Durchlaufzeit eines gesamten Prozesses (zum Beispiel Stunden bis zum Angebot).
  • Fehlerquote bei der manuellen Erfassung.
  • Steigerung der Conversion-Rate oder Abschlussquote.

Ideen ohne messbaren Geschäftswert scheiden aus der Priorisierung aus.

Machbarkeit

Die Umsetzbarkeit hängt selten an den Algorithmen selbst. Fast alle Basistechnologien stehen über Programmierschnittstellen (APIs) bereit. Die Hürde liegt in der Infrastruktur des Unternehmens:

  • Datenqualität: Liegen die notwendigen Trainings- oder Kontextdaten strukturiert vor, oder verteilen sie sich auf PDF-Scans, E-Mail-Postfächer und lokale Netzlaufwerke?
  • Systemzugang: Erlaubt das CRM- oder ERP-System den automatisierten Lese- und Schreibzugriff über moderne APIs?
  • Modellwahl: Lässt sich das Problem mit bestehenden Cloud-Modellen lösen, oder erfordert die Aufgabe ein eigenes, lokal betriebenes Modell?

Risiko und Compliance

KI-Systeme arbeiten probabilistisch. Sie generieren plausible Antworten, garantieren jedoch keine absolute Korrektheit. Bewerten Sie die Fehlertoleranz des Anwendungsfalls:

  • Halluzinationen: Ein Modell erfindet Fakten. In einem internen Brainstorming-Tool stört das wenig, in der automatisierten Rechnungsprüfung führt es zu finanziellen Schäden.
  • Human-in-the-Loop: Planen Sie bei kritischen Entscheidungen eine menschliche Freigabe ein. Das System bereitet den Entwurf vor, der Sachbearbeiter prüft und bestätigt.
  • Regulatorik: Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verlangt den Schutz personenbezogener Daten. Prüfen Sie, welche Daten an externe Schnittstellen fließen. Zudem stuft der EU AI Act bestimmte Anwendungen (etwa in der Personalauswahl oder Kreditprüfung) als Hochrisiko-Systeme ein, die strenge Dokumentations- und Überwachungspflichten mit sich bringen.

Time-to-Value

Verwerfen Sie Vorhaben, deren Entwicklung sechs Monate ohne Nutzerkontakt beansprucht. Bevorzugen Sie Use Cases, bei denen ein Prototyp innerhalb weniger Wochen reales Feedback liefert. Das senkt das Investitionsrisiko und zeigt früh, ob die Datenqualität für den Produktiveinsatz genügt.

Typische Fehler bei der Auswahl

Unternehmen wiederholen bei der Auswahl von KI-Use-Cases oft dieselben Fehler. Wenn Sie diese Fallstricke meiden, sparen Sie Entwicklungsbudgets und Projektzeit.

1. Die Technologie steht vor dem Problem

Ein Team beschließt, ein bestimmtes Modell oder Werkzeug einzusetzen, und sucht nachträglich nach einer Anwendung im Haus. Dies führt zu Insellösungen ohne betriebliche Relevanz. Beginnen Sie die Analyse immer mit einem konkreten Geschäftsengpass.

2. Der Projektumfang ist zu groß gewählt

Ein Projekt soll gleichzeitig fünf Altsysteme anbinden, die gesamte Kundenkommunikation automatisieren und fehlerfrei arbeiten. Solche Vorhaben scheitern an ihrer Komplexität. Zerlegen Sie den Prozess in Teilschritte. Automatisieren Sie zunächst nur einen Teilschritt, etwa die Kategorisierung einer Anfrage, bevor das System Antworttexte formuliert.

3. Fehlende Erfolgsmetriken

Das Projektteam startet ohne Zielgröße. Nach drei Monaten Testbetrieb lässt sich nicht feststellen, ob das System den Aufwand rechtfertigt. Legen Sie vor dem ersten Programmierschritt fest, welche Metrik den Erfolg anzeigt: eine bestimmte Zeiteinsparung, eine reduzierte Fehlerquote oder eine gestiegene Abschlussrate.

4. Späte Prüfung der Datenlage

Teams konzipieren wochenlang Benutzeroberflächen und Workflows, bevor sie feststellen, dass die benötigten Daten unvollständig, veraltet oder rechtlich gesperrt sind. Prüfen Sie die Datenverfügbarkeit und Schnittstellen in der ersten Woche. Wenn Rohdaten fehlen, stoppen Sie die Umsetzung an dieser Stelle.

5. Fehlende personelle Verantwortlichkeit

Ein Pilotprojekt läuft nebenbei ohne feste Zuständigkeit in der Fachabteilung. Ohne einen Product Owner, der Anforderungen priorisiert und Rückmeldungen einfordert, verliert die Initiative an Tempo. Verankern Sie die fachliche Verantwortung direkt bei der Abteilung, die das Werkzeug später täglich nutzt. Wie sich die Product-Owner-Rolle bei KI-Produkten verändert, lesen Sie unter Product Owner für KI-Produkte. Wie Sie Verantwortung und Anforderungen von Beginn an klären, beschreiben wir unter Product Engineering.

Vom Use Case zum KI-MVP

Haben Sie Ihre Ideen anhand des Rasters bewertet, wählen Sie den Use Case mit dem besten Verhältnis aus Nutzen, Machbarkeit und Umsetzungszeit. Planen Sie dafür kein Großprojekt. Der nächste Schritt besteht im Aufbau eines funktionsfähigen Minimum Viable Product (MVP).

Ein MVP bildet den gewählten Prozessschritt unter realen Bedingungen ab, reduziert den Funktionsumfang aber auf das absolute Minimum. Ziel ist es, die Annahmen zur Datenqualität, Modellleistung und Nutzerakzeptanz direkt in der Praxis zu testen.

Unser Team begleitet Unternehmen in dieser Phase über das Angebot AI Product Engineering. Im Rahmen eines AI Opportunity Sprints analysieren wir bestehende Prozessketten, bewerten technische Schnittstellen und erstellen eine belastbare Roadmap. Aus über zehn Jahren Product-Erfahrung wissen wir: Teams erzielen die verlässlichsten Erkenntnisse, wenn sie einen ersten Testlauf in kurzer Zeit live bringen. Wie Sie technisch vorgehen, um ein KI-MVP in 2–4 Wochen zu bauen, beschreibt unser separater Leitfaden.

Häufige Fragen zu KI-Use-Cases

Wie viele Use Cases sollte man parallel starten?

Starten Sie mit einem einzigen Use Case. Konzentrieren Sie Ihre Ressourcen darauf, diesen Fall von der Datenanbindung bis zum produktiven Feedback durchzusetzen. Haben Sie den ersten Ablauf etabliert und die nötige Infrastruktur aufgebaut, lassen sich weitere Anwendungsfälle parallel anbinden.

Braucht das Unternehmen eigene Daten für den Start?

Das hängt vom Use Case ab. Textzusammenfassungen, Übersetzungen oder Standard-Klassifizierungen funktionieren mit allgemeinen Modellen ohne spezifisches Training. Sobald das System jedoch unternehmenseigene Produkte, Kundenverträge oder Fachtermini verarbeiten soll, benötigen Sie Zugriff auf interne Dokumente oder Datenbanken, meist über eine Retrieval-Augmented-Generation-Architektur (RAG).

Was kostet die Bewertung von KI-Use-Cases?

Die Kosten hängen vom Reifegrad der bestehenden Prozesse und der Dateninfrastruktur ab. Ein kompakter Workshop mit anschließender technischer Prüfung der Schnittstellen bindet wenige Beratungs- und Entwicklertage. Ein unklares Großprojekt ohne vorab definierte Bewertungskriterien bindet dagegen oft über Monate Budget, ohne verwertbares Ergebnis.

Wie lange dauert es bis zum ersten produktiven Ergebnis?

Bei einem klar umrissenen Anwendungsfall mit vorhandenen Daten benötigt die Entwicklung eines ersten Testsystems zwei bis vier Wochen. Dieser Zeitraum reicht aus, um die technische Machbarkeit zu validieren und Feedback aus dem Fachbereich einzuholen.

Fazit

Erfolgreiche KI für Unternehmen basiert auf disziplinierter Prozessarbeit. Wer Engpässe systematisch identifiziert und nach messbarem Nutzen, Datenqualität, Compliance und Umsetzungsgeschwindigkeit bewertet, filtert ungeeignete Ideen frühzeitig heraus. Beginnen Sie klein mit einem klar definierten Prozess, prüfen Sie die Datenlage umgehend und überführen Sie die stärkste Idee in ein schnelles MVP.

Möchten Sie Ihre Prozesse prüfen und die besten Ansätze priorisieren? Vereinbaren Sie ein Gespräch mit unserem Team, um Ihr AI-Potenzial zu besprechen.

Quellen

  1. Bitkom: Durchbruch bei Künstlicher Intelligenz, Presseinformation vom 15. September 2025. Repräsentative Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.
  2. KfW Research: Künstliche Intelligenz im Mittelstand, Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, 29. Juli 2026. Kurzfassung: KfW-Meldung vom 29. Juli 2026.
  3. ifo Institut, ifo Konjunkturumfrage: Stimmung unter Selbständigen besser – Klima noch im Minus, 10. Juni 2025 (Gesamtwirtschaft: 40,9 % im Jahr 2025, 27,0 % im Jahr 2024). Dieselben 40,9 % für den Einsatz in Geschäftsprozessen: Companies in Germany Increasingly Relying on Artificial Intelligence, ifo Business Survey, 16. Juni 2025.